S21 – Rette sich, wer kann!

S21_Rette_sich._wer_kann_MINIEin Parkschützer hatte bei der Bahn nachgefragt, wie denn die barrierefreien Fluchtwege im Brandfall aussehen würden. Rollstuhlfahrer z.B. könnten ja nur über sehr flache und somit sehr lange Rampen sich eigenständig retten. Aufzüge dürften im Brandfall nicht benutzt werden.
Der Bahn-Technikvorstand Volker Kefer antwortete darauf u.a.:
„Wir gehen davon aus, dass Mitreisende, sowie Mitarbeiter der DB und ggf. anwesende Sicherheitskräfte die Evakuierung von Menschen mit Gehbehinderungen im Rahmen der Hilfeleistungspflicht schon in der Selbstrettungsphase unterstützen.“
Fragt sich nur, wer trägt mal eben einen erwachsenen, gehbehinderten Menschen die Treppe hoch? Das ist schon ohne Brand im Tunnelbahnhof ein schweres und für den Getragenen riskantes Unterfangen. Aus ‚versicherungsrechtlichen Gründen‘ dürfen Bahnmitarbeiter nicht einmal Kinder die Treppe hochtragen; die Unfallgefahr ist einfach zu groß. Wer im Gefahrenfall versucht, sich mit einem 80-Kilo-Mitreisenden ‚auf dem Arm‘ die Treppe hoch zu retten, tut wahrscheinlich weder sich noch dem Gehbinderten einen Gefallen.
Im Klartext: Der Bahnvorstand nimmt die Gefährdung von Behinderten billigend in Kauf. Jeder Sicherheitsexperte der Welt wird dieses ‚Rettungskonzept‘ als vollkommen weltfremd und zynisch bewerten, die Bahn aber will diesen Zynismus auch noch unter dem Namen S21+ in Beton gießen. Das lassen wir nicht zu.

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5 Kommentare zu S21 – Rette sich, wer kann!

  1. Max sagt:

    Meine Fresse, so wie die Bahn mit dem Thema Sicherheit umgeht, trau ich mich nur noch mit einem mulmigen Gefühl Bahn fahren. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir ein 2. Eschede haben.

  2. Thomas sagt:

    Ich denke wir reden hier von einen neuen zukunftsweisenden Projekt für die nächsten 100 Jahre…
    Dieses Projekt ist in so vielen Details (z.B. Flughafenbahnhof usw.) katastrophal geplant. Das soll die Zukunft sein?

  3. gilimeno sagt:

    Wie ein schneller und sicherer barrierefreier Rettungsweg bei S21 aussieht, ist nicht allzu schwer zu beantworten: Nämlich indem man den Tiefbahnhof in die Tonne kloppt und den heutigen Kopfbahnhof ausbaut. Und schon ist man dieses Problem los.

    Und irgendwie verstehe ich nicht so ganz, wie Sie das hochgelobte S21, das “Jahrhundertprojekt”, ja quasi den “Deutschlandweiten-Wohlstand-sichernden Bahnhof” mit irgendwelchen S-Bahn-Haltestellen vergleichen können. S21 soll der modernste Bahnhof Europas werden und zumindest mal die nächsten 100 Jahre einen wichtigen Verkehrsknoten in Süddeutschland einnehmen (ja sogar ein Bindeglied zwischen Paris und Bratislava darstellen!). Da sollten dann doch etwas andere Ansprüche vorherrschen als in der S-Bahnhof-Station “Universität” (in der -nebenbei bemerkt- die Aufzüge und Rolltreppen gefühlte 50% der Zeit außer Betrieb sind, ganz ohne Notfall).

    Natürlich ist die Fluchtsituation in den allermeisten Tiefbahnhöfen alles andere als optimal, egal ob S- oder U- oder Sonstwas-Bahn. Das ist aber letztendlich nur ein weiterer Grund, es in Zukunft besser zu machen und ebenerdig zu bauen (bzw. bleiben), wenn es möglich ist.

    Übrigens, bezugnehmend auf einen unten stehenden Kommentar; schon seit Jahren ist es Pflicht, dass öffentliche Verwaltungsgebäufe samt deren Webseiten barrierefrei sind. Auch bei Neu- bzw. Umbauten von anderen öffentlichen Gebäuden wie z.B. Supermärkten gibt es mittlerweile sehr strenge Auflagen. Nicht-barrierefrei zu bauen ist definitiv “out”.

  4. BMZ sagt:

    Was ich nicht richtig kapiere

    Wenn es brennt laufen alle weg vom Brandherd. Ein Rollstuhlfahrer kann keine Treppen benutzen, aber er kann auf dem Bahnsteig wegfahren und dabei eventuell sogar noch Hilfe von anderen erhoffen. Die Bahnsteige sind 430 m lang, selbst wenn es in der Mitte heftig brennt, kann man sich auf dem Bahnsteig in 200 m Entfernung sicher aufhalten. Möglicherweise wäre die Benutzung der Treppen sogar ungünstiger, denn dann begäbe man sich in den Abzugsbereich des Qualms.

    Was ich also nicht kapiere: warum regen sich alle auf, wenn es da bei S21 eigentlich nicht schlechter ist als bei einem Kopfbahnhof? Ein Rollifahrer auf einem Kopfbahnhofsbahnsteig kann schließlich auch nur in zwei Richtungen fliehen.

  5. Florian sagt:

    Die Behauptungen “barrierefrei” in den neuen Flyern des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm (zum download auf deren Website) sind schlichtweg falsch, Aufzüge und Rolltreppen und Verbindung der einzelnen Bahnsteige über Stege sind eben NICHT barrierefrei.

    Seit der Protest der mobilitätseingeschränkten Menschen stärker geworden ist scheinen “die” sich das Wort barrierefrei auf die Fahnen geschrieben zu haben, tun aber nichts, das ist keine kalkulierte Dummheit sondern kalkulierte Dreistigkeit…

    Zitate:
    Flyer “gute Argumente”: …”der neue, komplett barrierefreie Bahnhof des Arrchitekten Christoph Ingenhoven…
    Flyer “Schlichterspruch”: …”Die Durchgänge im neuen Bahnhof müssen verbreitert werden, die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen.”

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